Texte aus der Kirchengeschichte

Der Heidelberger Katechismus
(1563)

Fragen 1& 2 I. Von des Menschen Elend (3-11) II. Von des Menschen Erlösung (12-25)
II. Vom Gott dem Vater (26-28) II. Von Gott dem Sohn (29-52) II. Von Gott dem Heiligen Geist (53-64)
II. Von den Heiligen Sakramenten (65-68) II. Von der Heiligen Taufe (69-74) II. Vom Heiligen Abendmahl Jesu Christi (75-85)
  III. Von der Dankbarkeit (86-129)  

VON DER HEILIGEN TAUFE

Frage 69: Wie wirst du in der heiligen Taufe erinnert und versichert, dass das einige Opfer Christi am Kreuz dir zugut kommt?

Also, dass Christus dies äußerliche Wasserbad eingesetzt und dabei verheißen hat, dass ich so gewiss mit seinem Blut und Geist von der Unreinigkeit meiner Seele, das ist von allen meinen Sünden, gewaschen sei, so gewiss ich äußerlich mit dem Wasser, welches die Unsauberkeit des Leibes pflegt hinwegzunehmen, gewaschen bin.

Frage 70: Was heißt: mit dem Blut und Geist Christi gewaschen sein?

Es heißt: Vergebung der Sünden von Gott aus Gnaden haben um des Blutes Christi willen, welches er in seinem Opfer am Kreuz für uns vergossen hat; darnach auch durch den Heiligen Geist erneuert und zu einem Glied Christi geheiligt sein, dass wir je länger je mehr den Sünden absterben und in einem gottseligen unsträflichen Leben wandeln.

Frage 71: Wo hat Christus verheißen, dass wir so gewiss mit seinem Blut und Geist, als mit dem Taufwasser gewaschen sind?

In der Einsetzung der Taufe, welche also lautet:

Gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Diese Verheißung wird auch wiederholt, da die Schrift die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden nennt.

Frage 72: Ist denn das äußerliche Wasserbad die Abwaschung der Sünden selbst?

Nein; denn allein das Blut Jesu Christi und der Heilige Geist reinigt uns von allen Sünden.

Frage 73: Warum nennt denn der Heilige Geist die Taufe das Bad der Wiedergeburt und die Abwaschung der Sünden?

Gott redet also nicht ohne große Ursache: nämlich, nicht allein, dass er uns damit will lehren, dass, gleichwie die Unsauberkeit des Leibes durch Wasser, also unsere Sünden durchs Blut und Geist Christi hinweggenommen werden: sondern vielmehr, dass er uns durch dies göttliche Pfand und Wahrzeichen will versichern, dass wir so wahrhaftig von unsern Sünden geistlich gewaschen sind, als wir mit dem leiblichen Wasser gewaschen werden.

Frage 74: Soll man auch die jungen Kinder taufen?

Ja; denn dieweil sie sowohl als die Alten in den Bund Gottes und seine Gemeinde gehören und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von Sünden und der Heilige Geist, welcher den Glauben wirket, nicht weniger denn den Alten zugesagt wird: so sollen sie auch durch die Taufe, als des Bundes Zeichen, der christlichen Kirche eingeleibt und von der Ungläubigen Kinder unterschieden werden, wie im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist, an welcher Statt im Neuen Testament die Taufe ist eingesetzt.