Texte aus der Kirchengeschichte

Der Heidelberger Katechismus
(1563)

Fragen 1& 2 I. Von des Menschen Elend (3-11) II. Von des Menschen Erlösung (12-25)
II. Vom Gott dem Vater (26-28) II. Von Gott dem Sohn (29-52) II. Von Gott dem Heiligen Geist (53-64)
II. Von den Heiligen Sakramenten (65-68) II. Von der Heiligen Taufe (69-74) II. Vom Heiligen Abendmahl Jesu Christi (75-85)
  III. Von der Dankbarkeit (86-129)  

VON GOTT DEM HEILIGEN GEIST

Frage 53: Was glaubst du vom Heiligen Geist?

Erstlich, dass er gleich ewiger Gott mit dem Vater und dem Sohn ist. Zum andern, dass er auch mir gegeben ist, mich durch wahren Glauben Christi und aller seiner Wohltaten teilhaftig macht, mich tröstet und bei mir bleiben wird bis in Ewigkeit.

Frage 54: Was glaubst du von der heiligen, allgemeinen, christlichen Kirche?

Dass der Sohn Gottes aus dem ganzen menschlichen Geschlecht sich eine auserwählte Gemeinde zum ewigen Leben, durch seinen Geist und Wort, in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammle, schütze und erhalte, und dass ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde.

Frage 55: Was verstehst du unter der Gemeinschaft der Heiligen?

Erstlich, dass alle und jede Gläubigen als Glieder an dem Herrn Christo und allen seinen Schätzen und Gaben Gemeinschaft haben. Zum andern, dass ein jeder seine Gaben zu Nutz und Heil der andern Glieder willig und mit Freuden anzulegen, sich schuldig wissen soll.

Frage 56: Was glaubst du von der Vergebung der Sünden?

Dass Gott um der Genugtuung Christi willen aller meiner Sünden, auch der sündlichen Art, mit der ich mein Leben lang zu streiten habe, nimmermehr gedenken will, sondern mir die Gerechtigkeit Christi aus Gnaden schenkt, dass ich ins Gericht nimmermehr soll kommen.

Frage 57: Was tröstet dich die Auferstehung des Fleisches?

Dass nicht allein meine Seele nach diesem Leben alsbald zu Christus, ihrem Haupt, genommen wird, sondern auch, dass dies mein Fleisch durch die Kraft Christi auferweckt, wieder mit meiner Seele vereinigt und dem herrlichen Leibe Christi gleichförmig werden soll.

Frage 58: Was tröstet dich der Artikel vom ewigen Leben?

Dass, nachdem ich jetzt den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen empfinde, ich nach diesem Leben vollkommene Seligkeit besitzen werde, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz nie gekommen ist, Gott ewiglich darin zu preisen.

Frage 59: Was hilft es dir aber nun, wenn du dies alles glaubest?

Dass ich in Christus vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens bin.

Frage 60: Wie bist du gerecht vor Gott?

Allein durch wahren Glauben an Jesus Christus also: dass, ob mich schon mein Gewissen anklagt, dass ich wider alle Gebote Gottes schwerlich gesündigt und derselben keines nie gehalten habe, auch noch immerdar zu allem Bösen geneigt bin, doch Gott, ohne all mein Verdienst aus lauter Gnaden, mir die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi schenkt und zurechnet, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selbst all den Gehorsam vollbracht, den Christus für mich hat geleistet, wenn ich allein solche Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.

Frage 61: Warum sagst du, dass du allein durch den Glauben gerecht seiest?

Nicht, dass ich wegen der Würdigkeit meines Glaubens Gott gefalle; sondern darum, dass allein die Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi meine Gerechtigkeit vor Gott ist, und ich dieselbe nicht anders, denn allein durch den Glauben annehmen umd mir zueignen kann.

Frage 62: Warum können aber unsere guten Werke nicht die Gerechtigkeit vor Gott oder ein Stück derselben sein?

Darum, dass die Gerechtigkeit, die vor Gottes Gericht bestehen soll, durchaus vollkommen und dem göttlichen Gesetz ganz gleichförmig sein muß; aber auch unsere besten Werke in diesem Leben alle unvollkommen und mit Sünden befleckt sind.

Frage 63: Verdienen aber unsere guten Werke nichts, so sie doch Gott in diesem und dem zukünftigen Leben will belohnen?

Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnaden.

Frage 64: Macht aber diese Lehre nicht sorglose und verruchte Leute?

Nein; denn es ist unmöglich, dass die, so Christo durch wahren Glauben sind eingepflanzt, nicht Frucht der Dankbarkeit sollen bringen.