Texte aus der Kirchengeschichte

Der Heidelberger Katechismus
(1563)

Fragen 1& 2 I. Von des Menschen Elend (3-11) II. Von des Menschen Erlösung (12-25)
II. Vom Gott dem Vater (26-28) II. Von Gott dem Sohn (29-52) II. Von Gott dem Heiligen Geist (53-64)
II. Von den Heiligen Sakramenten (65-68) II. Von der Heiligen Taufe (69-74) II. Vom Heiligen Abendmahl Jesu Christi (75-85)
  III. Von der Dankbarkeit (86-129)  

VON GOTT DEM SOHN

Frage 29: Warum wird der Sohn Gottes Jesus, das ist Seligmacher, genannt?

Darum, dass er uns selig macht von unsern Sünden, und dass bei keinem andern einige Seligkeit zu suchen noch zu finden ist.

Frage 30: Glauben denn die auch an den einigen Seligmacher Jesus, die ihre Seligkeit und Heil bei Heiligen, bei sich selbst oder anderswo suchen?

Nein; sondern sie verleugnen mit der Tat den einigen Seligmacher und Heiland Jesus, ob sie sich sein gleich rühmen. Denn entweder muß Jesus nicht ein vollkommener Heiland sein, oder, die diesen Heiland mit wahrem Glauben annehmen, müssen alles in ihm haben, das zu ihrer Seligkeit vonnöten ist.

Frage 31: Warum ist er Christus, das ist ein Gesalbter, genannt?

Weil er von Gott dem Vater verordnet und mit dem Heiligen Geist gesalbt ist zu unserm obersten Propheten und Lehrer, der uns den heimlichen Rat und Willen Gottes von unserer Erlösung vollkömmlich offenbaret; und zu unserem einigen Hohenpriester, der uns mit dem einigen Opfer seines Leibes erlöset hat und immerdar mit seiner Fürbitte vor dem Vater vertritt; und zu unserm ewigen König, der uns mit seinem Wort und Geist regiert, und bei der erworbenen Erlösung schützet und erhält.

Frage 32: Warum wirst aber du ein Christ genannt?

Weil ich durch den Glauben ein Glied Christi und also seiner Salbung teilhaftig bin, auf dass auch ich seinen Namen bekenne, mich ihm zu einem lebendigen Dankopfer darstelle und mit freiem Gewissen in diesem Leben wider die Sünde und den Teufel streite und hernach in Ewigkeit mit ihm über alle Kreatur herrsche.

Frage 33: Warum heißt er Gottes eingeborener Sohn, so doch wir auch Kinder Gottes sind?

Darum, dass Christus allein der ewige, natürliche Sohn Gottes ist, wir aber um seinetwillen aus Gnaden zu Kindern Gottes angenommen sind.

Frage 34: Warum nennst du ihn unsern Herrn?

Weil er uns mit Leib und Seele von der Sünde und aus aller Gewalt des Teufels, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem teuren Blut ihm zum Eigentum erlöset und erkauft hat.

Frage 35: Was heißt, dass er empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau?

Dass der ewige Sohn Gottes, der wahrer und ewiger Gott ist und bleibt, wahre menschliche Natur aus dem Fleisch und Blut der Jungfrau Maria durch Wirkung des Heiligen Geistes an sich genommen hat, auf dass er auch der wahre Same Davids sei, seinen Brüdern in allem gleich, ausgenommen die Sünde.

Frage 36: Was für Nutzen bekommst du aus der heiligen Empfängnis und Geburt Christi?

Dass er unser Mittler ist und mit seiner Unschuld und vollkommenen Heiligkeit meine Sünde, darin ich bin empfangen, vor Gottes Angesicht bedecket.

Frage 37: Was verstehst du unter dem Wörtlein "gelitten"?

Dass er an Leib und Seele die ganze Zeit seines Lebens auf Erden, sonderlich aber am Ende desselben, den Zorn Gottes wider die Sünde des ganzen menschlichen Geschlechts getragen hat, auf dass er mit seinem Leiden, als mit dem einigen Sühnopfer, unsern Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöste und uns Gottes Gnade, Gerechtigkeit und ewiges Leben erwürbe.

Frage 38: Warum hat er unter dem Richter Pontius Pilatus gelitten?

Auf dass er unschuldig unter dem weltlichen Richter verdammt würde und uns damit von dem strengen Urteil Gottes, das über uns ergehen sollte, erledigte.

Frage 39: Ist es etwas mehr, dass er gekreuzigt worden, denn so er eines andern Todes gestorben wäre?

Ja; denn dadurch bin ich gewiss, dass er die Vermaledeiung, die auf mir lag, auf sich geladen habe, dieweil der Tod des Kreuzes von Gott verflucht war.

Frage 40: Warum hat Christus den Tod müssen leiden?

Darum, dass wegen der Gerechtigkeit umd Wahrheit Gottes nicht anders für unsere Sünde mochte bezahlt werden, denn durch den Tod des Sohnes Gottes.

Frage 41: Warum ist er begraben worden?

Damit zu bezeugen, dass er wahrhaftig gestorben sei.

Frage 42: Weil denn Christus für uns gestorben ist, wie kommt es, dass wir auch sterben müssen?

Unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde, sondern nur eine Absterbung der Sünden und Eingang zum ewigen Leben.

Frage 43: Was bekommen wir mehr für Nutzen aus dem Opfer und Tod Christi am Kreuz?

Dass durch seine Kraft unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt, getötet und begraben wird, auf dass die bösen Lüste des Fleisches nicht mehr in uns regieren, sondern dass wir uns selbst ihm zur Danksagung aufopfern.

Frage 44: Warum folgt: abgestiegen zu der Hölle?

Dass ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sei, mein Herr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst Schmerzen und Schrecken, die er auch an seiner Seele am Kreuz und zuvor erlitten, von der höllischen Angst und Pein erlöset.

Frage 45: Was nützet uns die Auferstehung Christi?

Erstlich hat er durch seine Auferstehung den Tod überwunden, dass er uns der Gerechtigkeit, die er uns durch seinen Tod erworben hat, konnte teilhaftig machen. Zum andern werden wir auch jetzt durch seine Kraft erweckt zu einem neuen Leben. Zum dritten ist uns die Auferstehung Christi ein gewisses Pfand unserer seligen Auferstehung.

Frage 46: Wie verstehst du, dass er ist gen Himmel gefahren?

Dass Christus vor den Augen seiner Jünger ist von der Erde aufgehoben gen Himmel und uns zugut daselbst ist, bis dass er wiederkommt zu richten die Lebendigen und die Toten.

Frage 47: Ist denn Christus nicht bei uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheißen hat?

Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzt nicht auf Erden; aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weicht er nimmer von uns.

Frage 48: Werden aber auf die Weise die zwei Naturen in Christo nicht voneinander getrennt, so die Menschheit nicht überall ist, da die Gottheit ist?

Mitnichten; denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwärtig ist, so muß folgen, dass sie wohl außerhalb ihrer angenommenen Menschheit und dennoch nichtsdestoweniger auch in derselben ist, und persönlich mit ihr vereinigt bleibt.

Frage 49: Was nützet uns die Himmelfahrt Christi?

Erstlich, dass er im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher ist. Zum andern, dass wir unser Fleisch im Himmel zu einem sichern Pfand haben, dass er, als das Haupt, uns, seine Glieder, auch zu sich werde hinaufnehmen. Zum dritten, dass er uns seinen Geist zum Gegenpfand herabsendet, durch welches Kraft wir suchen, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes, und nicht, das auf Erden ist.

Frage 50: Warum wird hinzugesetzt, dass er sitze zur Rechten Gottes?

Weil Christus darum gen Himmel gefahren ist, dass er sich daselbst erzeige als das Haupt seiner christlichen Kirche, durch welches der Vater alles regiert.

Frage 51: Was nützet uns diese Herrlichkeit unseres Hauptes Christus?

Erstlich, dass er durch seinen Heiligen Geist in uns, seine Glieder, die himmlischen Gaben ausgießt. Darnach, dass er uns mit seiner Gewalt wider alle Feinde schützet und erhält.

Frage 52: Was tröstet dich die Wiederkunft Christi, zu richten die Lebendigen und die Toten?

Dass ich in aller Trübsal und Verfolgung mit aufgerichtetem Haupt eben des Richters, der sich zuvor dem Gerichte Gottes für mich dargestellt und alle Vermaledeiung von mir hinweggenommen hat, aus dem Himmel gewärtig bin, dass er alle seine und meine Feinde in die ewige Verdammnis werfe, mich aber samt allen Auserwählten zu sich in die himmlische Freude und Herrlichkeit nehme.