Texte aus der Kirchengeschichte

Der Heidelberger Katechismus
(1563)

Fragen 1& 2 I. Von des Menschen Elend (3-11) II. Von des Menschen Erlösung (12-25)
II. Vom Gott dem Vater (26-28) II. Von Gott dem Sohn (29-52) II. Von Gott dem Heiligen Geist (53-64)
II. Von den Heiligen Sakramenten (65-68) II. Von der Heiligen Taufe (69-74) II. Vom Heiligen Abendmahl Jesu Christi (75-85)
  III. Von der Dankbarkeit (86-129)  

Der zweite Teil
VON DES MENSCHEN ERLÖSUNG

Frage 12: Weil wir denn nach dem gerechten Urteil Gottes zeitliche und ewige Strafe verdient haben, wie möchten wir dieser Strafe entgehen und wiederum zu Gnaden kommen?

Gott will, dass seiner Gerechtigkeit genug geschehe; deswegen müssen wir derselben entweder durch uns selbst oder durch einen anderen vollkommene Bezahlung tun.

Frage 13: Können wir aber durch uns selbst Bezahlung tun?

Mitnichten; sondern wir machen auch die Schuld noch täglich größer.

Frage 14: Kann aber irgendeine bloße Kreatur für uns bezahlen?

Keine; denn erstlich will Gott an keiner anderen Kreatur strafen, was der Mensch verschuldet hat; zum andern, so kann auch keine bloße Kreatur die Last des ewigen Zornes Gottes wider die Sünde ertragen und andere davon erlösen.

Frage 15: Was müssen wir denn für einen Mittler und Erlöser suchen?

Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch und doch stärker denn alle Kreaturen, das ist, zugleich wahrer Gott sei.

Frage 16: Warum muß er ein wahrer und gerechter Mensch sein?

Darum, dass die Gerechtigkeit Gottes erfordert dass die menschliche Natur, die gesündigt hat, für die Sünde bezahle; aber einer, der selber ein Sünder wäre, nicht könnte für andere bezahlen.

Frage 17: Warum muß er zugleich wahrer Gott sein?

Auf dass er aus Kraft seiner Gottheit die Last des Zornes Gottes an seiner Menschheit ertragen und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben möchte.

Frage 18: Wer ist aber derselbe Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer, gerechter Mensch ist?

Unser Herr Jesus Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist.

Frage 19: Woher weißt du das?

Aus dem heiligen Evangelium, welches Gott selbst anfänglich im Paradies hat geoffenbart; folgends durch die heiligen Erzväter und Propheten lassen verkündigen und durch die Opfer und andere Zeremonien des Gesetzes vorgebildet; endlich aber durch seinen eingeliebten Sohn erfüllt.

Frage 20: Werden denn alle Menschen wiederum durch Christus selig, wie sie durch Adam sind verloren worden?

Nein; sondern allein diejenigen, die durch wahren Glauben ihm werden eingeleibt und alle seine Wohltaten annehmen.

Frage 21: Was ist wahrer Glaube?

Es ist nicht allein eine gewisse Erkenntnis, dadurch ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort hat geoffenbart, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durch das Evangelium in mir wirkt, dass nicht allein andern, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt sei, aus lauter Gnaden, allein um des Verdienstes Christi willen.

Frage 22: Was ist aber einem Christen not zu glauben?

Alles, was uns im Evangelium verheißen wird, welches uns die Artikel unseres allgemeinen, ungezweifelten christlichen Glaubens in einer Summa lehren.

Frage 23: Wie lauten dieselben?

Ich glaube an Gott Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist von dem Heiligen Geist, geboren aus Maria der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzet zu der Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige, allgemeine christliche Kirche, die Gemeinschaft del Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.

Frage 24: Wie werden diese Artikel abgeteilt?

In drei Teile: Der erste ist von Gott dem Vater und unserer Erschaffung; der andere von Gott dem Sohn und unserer Erlösung; der dritte von Gott dem Heiligen Geist und unserer Heiligung.

Frage 25: Dieweil nur ein einig göttliches Wesen ist, warum nennst du drei: den Vater, Sohn und Heiligen Geist?

Darum, dass sich Gott also in seinem Wort geoffenbaret hat, dass diese drei unterschiedlichen Personen der einige, wahrhaftige, ewige Gott sind.